Überwinterung


Grundlage für eine erfolgreiche Nachzucht der Halsbandleguane, ist eine vorhergegangene artgerechte Überwinterung von mind. 3 Monaten. Diese Phase ist für unsere Pfleglinge außerordentlich wichtig, ihr ganzer Lebensrhytmus ist auf eben diese Ruhephase geprägt. Wenn man bedenkt, das im natürlichen Vorkommen, die Tiere je nach geografischer Herkunft nur ein gutes halbes Jahr Zeit haben, um die Fortpflanzung zu realisieren, wird einem alleine daran bereits bewusst, wie sehr sich die Tiere an diese Gegebenheiten angepasst haben.

Bereits im Spätsommer verbringen einige adulte Tiere in ihren Verstecken, ein völlig normales Unterfangen. Jedochsind wir bestrebt, diese “Sommerruhephase” von Ende August/September bis in den Oktober hinein zu verlagern, um die Leguane so in Richtung Oktober/November in ihre wohlverdiente Überwinterung zu geleiten. Diese gilt es frühzeitig durch langsames Reduzieren der Beleuchtung, demnach im Zusammenhang stehend, auch der Haltungstemperatur zu drosseln. Grundvoraussetzung für eine erfolgversprechende Überwinterung ist eine Untersuchung mittels Kotprobe auf Parasiten. Gleiches Augenmerk ist auf den Allgemeinzustand der Tiere zu legen, denn nur gesunde, Parasitenfreie und wohlgenährte Tiere werden diese Phase ohne Probleme überstehen. Ein leider oftmals anzutreffender Trend, die Tiere einfach ohne vorhergegangene Kotuntersuchung zu überwintern, hat sich leider oft als nicht gesundheitsförderlich für die Leguane herausgestellt.

Bei Parasitenbefall, ausgemergelten Tieren oder anderen Einschränkungen ist von einer kühlen Überwinterung vorerst abzuraten. Die Gesundung muss an erster Stelle stehen, denn ob eine Ruhephase von November bis März, oder von Januar bis April durchgeführt wird, spielt letztlich nicht die entscheidende Rolle, wichtig ist nur, das sie eben durchgeführt wird.

Bevor die Tiere in die wohlverdiente Überwinterung verbracht werden, ist die Nahrungsaufnahme gute 10 bis 14 Tage vorher bereits gänzlich einzustellen. Wasser muss den Tieren während dieser Zeit allerdings bereitgestellt werden. Wichtig ist eben, das die Tiere auch während der letzten 10 Tage immer die Möglichkeit haben, sich wenigstens unter einer Wärmequelle aufzuhalten, damit nicht ein Teil an Nahrung im Magen oder Darm verbleibt. Diese Nahrungsreste können u.U. im Magen-Darm-Trakt zu Schädigungen führen. Ist der Tag X gekommen, kann der Halter seine Tiere in handwarmen Wasser in eine Badewanne verbringen, damit die Leguane zum einen nochmals Wasser aufnehmen, oder aber ihren Darm entleeren. Dies kann aber auch im Terrarium geschehen, sofern man im Vorfeld bereits einige Regentage mit einbindet und relativ kräftig, über einige Tage verteilt, das Terrarium mittels Blumenspritze beregnet. Welche Methode zur Anwendung kommt, dies ist letztlich nicht von Bedeutung. Viele Halter haben ihre eigenen Methoden, die Überwinterung artgerecht durchzuführen. Es spielt letztlich auch keine große Rolle, ob dies im kühlen Keller, Dachboden, Kühlschrank, Schuppen oder einem ungeheizten Raum durchgeführt wird, der wichtige Aspekt ist eben die Temperatur.

Wir selber haben unsere Tiere die ersten Jahre im Kühlschrank überwintert, jedoch möchte wir uns nicht zu sehr von Technik abhängig machen, von daher wird seit geraumer Zeit bereits eine Haltung während der Winterphase im Terrarium als ebenbürtig angesehen. Wer über ein Gästezimm er oder einen Terrarienraum verfügt, der es zulässt, eben im Winter nicht beheizt zu werden, der kann auch hier eine Überwinterung durchführen. Nach diesem System werden in zoologischen Gärten viele Reptilien, Amphibien über die Winterphase gebracht. Bei leicht geöffnetem Fenster stellt es kein Problem dar, sofern sich unsere Halsbandleguane unter Steinplatten, Wurzeln oder anderen Materialien eingraben können.

Ebenfalls eine Überwinterung in den üblicher Weise verwendeten und fest verschlossenen Kunststoffboxen in einem Kellerraum oder auch Speicher kann nach eingehender Überprüfung der Temperaturen die dort herrschen, durchaus als Alternative gelten. Jeder frostfreie Raum, der im Level von 7-12° liegt, kann demnach in Betracht kommen. Egal für welche Methode man sich entschlossen hat, wichtig ist einfach nur, dass eben die Tiere nicht austrocknen, demnach ist auch hier zwingend notwendig, ein wenig Feuchtigkeit mittels Sprühen einzubringen. Bitte aber keinesfalls die Tiere befeuchten. Bei dieser Gelegenheit kann der Allgemeinzustand der Leguane immer gleichzeitig überprüft werden. Während dieser Zeit sollte keinerlei körperlicher Abbau bei den Halsbandleguanen festzustellen sein. Falls dies jedoch ersichtlich wird, dann ist die Überwinterung umgehend zu beenden um das betreffende Tier schonend wieder auf “Betriebstempertur” zu bekommen. Wichtige medizinische Indikationen in solch einem Fall sei den zuständigen Tierärzten vorbehalten, demnach möchte ich auch keine Ratschläge dazu geben.

Bild "Menue:Uberwinterung_Kuhlschrank.jpg"Auf nebenstehendem Bild gut zu erkennbar, die Überwinterung im Kühlschrank ohne Gefrierfach wird mittels Fernfühler von außen überwacht. Wir verwenden prinzipiell immer je ein elektronisches sowie auch ein mechanisches Thermometer, um auf der sicheren Seite zu bleiben. Bei der Kühlschrankmethode haben wir neben Zellstoffschnipsel auch Schaumstoffwürfel mit eingebracht, diese gewährleisten ein angenehmes Klima, die Tiere können sich darunter naturnah vergraben.

Diese Überwinterungsboxen sind zweckmäßig im vorderen Bereich zu platzieren, da wie in unserem Beispiel die Kälteschleifen in der Rückwand verbaut sind. Kalte Luft sackt bekanntlich nach unten, demnach ergibt sich auch ein natürliches Temperaturgefälle. Zwischendurch muss die Luft in den Boxen sowie im Kühlschrank durch Öffnen erneuert werden. Dies ist immer die beste Gelegenheit, die Tiere auf ihre Vitalfunktionen zu überprüfen. Anzuraten ist auf jeden Fall ein Temperaturwächter, ausgestattet mit Alarmfunktion.
Zur Beendigung der Überwinterung wird wie bei oben genannter Kühlschranküberwinterung, dieses Gerät ausgeschaltet und die Türe geöffnet. Dies geschieht am günstigsten um die Mittagzeit, damit am nächsten Morgen die Tiere mit ihren, dann allerdings geöffneten Überwinterungsdosen, ins ungeheizte Terrarium bei Zimmertemperatur gesetzt werden. Wenn nicht schon beim Umsetzen, so doch innerhalb einiger Minuten sollten erste Bewegungen ersichtlich sein. Langsam kann nun auch das erste Licht eingeschaltet werden, sodass die Tiere ihre Boxen verlassen. Dies kann mitunter etwas dauern, gesunde Leguane jedoch verlassen sehr rasch ihre Überwinterungsboxen. Der erste kleine Spot kann bereits eingeschaltet werden um als Wärmequelle zu dienen. Das Ansteigen der Temperaturen erfolgt in schnelleren Schritten wie die Vorbereitung auf die Überwinterung. Einige Tiere verstecken sich noch ein oder zwei Tage im Terrarium, andere jedoch zieht die Licht- und Wärmequelle magisch an. Nun kann man beobachten, das die Leguane bereitwillig Wasser zu sich nehmen und ausgiebig trinken. Die erste Nahrung wird je nach Temperatur im Terrarium etwa 3-7 Tage nach Beendigung zu sich genommen.